Warum ich Gedichte schreibe

Autor Hellmuth Opitz aus Bielefeld
Autor Hellmuth Opitz aus Bielefeld

Gedichte sind Sprach-Konzentrate, in denen die größte gedankliche Freiheit und zugleich die größte formale Disziplin angelegt ist. Sie kann die entlegensten Bedeutungsfelder mit einem einzigen poetischen Bild verknüpfen, gleichzeitig erfordert die Verdichtung filigrane Feinarbeit. Für mich gilt: Ich ochse um jede Zeile. Diese Mühen darf man dem Gedicht aber nicht anmerken. Poesie mit geschwollenen Stirnadern zu schreiben, reizt mich nicht. Das Schwerste ist das Leichtsein. Dafür reicht es eben nicht, die Sprache zu lieben. Man muss gelegentlich auch das Glück haben, dass einen die Sprache zurückliebt.

Meine neue Website soll es Interessierten leichter machen, sie ist deutlich übersichtlicher, leser- und nutzerfreundlicher gestaltet und bietet folgende Vorteile:

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Gedicht des Monats

Das Kleingedruckte am Ende des Winters

Es scheint, die Blutdrucksenker wirken.
Die Sonnenaufgänge dieser Tage
sind seltsam blass verschwommen.
Geduldig wie ein Logopäde wispert
ein südlicher Hauch den verstockten
Sträuchern immer wieder etwas vor.
Dann lispeln sich die ersten Frühblüher
ans Licht, Stoßtrupps von Schneeglöckchen
rücken vor und da: Hörst du sie auch
von fern, die beharrlichen Klopfzeichen
der tief im Wald verschütteten Spechte?
Es ist wie immer: Schon beim kleinsten
Flirren schießt ein Strahl Freude ein, der
erstbeste Leichtsinn kegelt hoch, nennt
noch die winzigste Knospe gleich Zuversicht.
So heruntergekommen, ja ausgehungert
ist die Hoffnung nach all den klirrenden
Tagen und wie zum Beweis wachsen jetzt
an den Kleidercontainern ringsum bunte
Plastiktüten mit Jacken und Mänteln.
(Neues, bislang unveröffentlichtes Gedicht)