Hellmuth Opitz
Hellmuth Opitz - Bücher

Aufgegebene Plätze. Verlorene Posten

Diese Gedichte sind fasziniert von Orten, Plätzen und Gebäuden, die vor gar nicht langer Zeit noch als Proberaum der Zukunft gedacht waren. Räume mit denen viel Hoffnung verbunden war und die nun – aus welchen Gründen auch immer – brachliegen, nicht mehr genutzt werden und verfallen. Sie erwecken gemeinsam mit den präzis-kühlen Grafiken von Johannes Nawrath auf eindrucksvolle Weise Schauplätze zum Leben, an denen sich die Kapitulation einer Idee ereignet hat.

Leseprobe:


Kraniche und Kräne
Pfeile in Zeitlupe
nein, keine Eile: Kraniche.
Keile, die sich nach Süden
hämmern. Im Dämmern
der Meißel ihrer Rufe
klopft eine Kufe,
ach was, eine Stufe
in die Luft über
der Stadt, ein Abzug
in matt, eine hingepfuschte
Raute, ihre Klagelaute
ein monotoner Song.

Im Hellen dann Baustellen,
kläglicher Rest:
ein Pärchen Kräne
hockt auf dem Nest,
zieht noch ein Junges hoch
aus Glas und Beton.

Die Dunkelheit knistert wie Kandis

Natürlich ist die Realität der Stoff, aus dem die Gedichte von Hellmuth Opitz sind. Aber wie er das macht, wie er jedes Wirklichkeitsmolekül mit poetischem Wunder und unvergesslichen Bildern auflädt – ganz gleich, ob es um die großen Themen Liebe, Leben, Tod oder um banale Haushaltsgegenstände geht –, das macht ihm so leicht niemand nach.

Leseprobe:


Distanzen. Stimulanzen
Je tiefer die Dunkelheit, desto wacher im Cockpit
dieses Audi A6 auf der A7 nordwärts, die Nacht knistert
wie Kandis, dem man Tee zufügt oder Geschenkpapier,
in das Sterne verwickelt sind, überhaupt: eine Nacht,
durch die man gleitet wie durch einen Ärmel schwarzer Seide
vorbei an polnischen Einsamkeitspiloten
in ihren 40­Tonnern, an russischen, tschechischen,
dänischen, rumänischen Lastkähnen und Mautseglern
vorbei und Kilometer fressen, Entfernungen schlürfen
wie den Tee, natürlich schwarz, natürlich nur kurz
aufgebrüht, genau das Richtige für dieses Überwachsein,
es könnte immer so weitergehen, immer schneller,
keep the car running, auf einmal dieser kristallklare
Moment der Unerschöpflichkeit:
Wer ohne Dunkelheit ist, der werfe den ersten Stern,
dann wieder volles Augenmerk auf die Fahrbahn
und sich den Mittelstreifen reinziehn wie eine endlos
lange Linie Kokain.

Die Sekunden vor Augenaufschlag

„Das Augenaufschlagen ist die erste Verletzung“, hat Ludwig Fels einmal gesagt. Was sind dann „Die Sekunden vor Augenaufschlag“? Sind es die letzten Momente eines Traumes. Der Beginn einer Liebe? Oder einer Lüge, bevor sie auf dem harten Boden der Realität landet? Eines lässt sich mit Sicherheit sagen: Diese Gedichte sind etwas für Leser mit offenen Augen, Gedichte, die man ebenso gut sehen wie lesen kann.

„So etwas zu schreiben, so fraglos in seiner Leichtigkeit, ist wahrlich nicht leicht.“
Ulrich Greiner in der FAZ, Mehr Pressezitate

Leseprobe:


Nicht zu vergessen
Der erste Schluck Coca Cola
oder wie den Ohren Kashmir zustieß
von Led Zeppelin.

Der Ausdruck in den Augen
des Vaters, als er das Holzgeländer
des Vermieters mit der Axt zerschlug.

Ach und der Schrei im Bahnhof
von Düsseldorf, als der Betrunkene
zwischen Bahnsteigkante und Zug fiel.

Drei, vier Erinnerungen, aus denen man
im Innersten zusammengenagelt
ist wie eine Bretterbude.

Nicht zu vergessen das stille holländische
Mädchen mit dem Jungenhaarschnitt.
Und ihr Zungenkuss.

Gebrauchte Gedichte

Dieser Band enthält eine reichhaltige Auswahl aus 20 Jahren poetischem Schaffen und belegt eindrucksvoll die Entwicklung von einer jungen lyrischen Begabung hin zu einem Dichter mit einem eigenen unverwechselbaren Ton. Gedichte, die manchmal nur erahnen lassen, wie viel Präzisionsarbeit den faszinierend leichten Schwebestoffen zugrunde liegt.

„Herausragend sind in all den Jahren seine erotischen, leicht melancholischen und gleichzeitig abgeklärten Liebesgedichte geblieben.“
Henning Heske, „Rheinische Post“, Mehr Pressezitate

Leseprobe:

Bei Trost
Nicht ganz. Allein
deine Abwesenheit, die
wieder und wieder
getröstet werden will.
Ihr zulieb trag ich mein
dunkelstes Hemd in den Tag.
Kaum daß ich Licht mache
in meinem Bedauern,
wirft sie mir als Schatten
mein Alleinsein vor.
So hab ich gut reden.
Manchmal ruft sie mich an,
sagt: denk dran,
wenn das Telefon nicht klingelt,
ich bin's.

Engel im Herbst mit Orangen

Diese erste größere Gedichtsammlung vereint 56 Gedichte: „Sein bis dahin substantiellster Gedichtband“ (Lexikon der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur) vereint Verse von expressiver Wucht, melancholischer Leichtigkeit und formaler Eleganz. Er ist mittlerweile in einer zweiten, erweiterten Auflage als Taschenbuch erschienen. „Hellmuth Opitz kann, er beweist es wieder einmal, Gedichte schreiben, die etwas vom Puls, vom Tempo, von der Hektik, von der Einsamkeit und Verzweiflung unserer Zeit wiedergeben.“
Walter Neumann, „Stuttgarter Zeitung“, Mehr Pressezitate

Leseprobe:

Maxwell
Der Mann, der morgens Kaffee macht.
Der sein Glas aufschraubt und zu den
Instant-Körnern sagt:

Jungs, es wird ein heißer Tag heute.
Einige von euch werden nicht
zurückkommen.

So könnte eigentlich ein guter
Amoklauf beginnen.
Der Mann, der morgens Kaffee macht.
Der sein Glas zuschraubt und zu den
Instant-Körnern sagt:

Ruhig, Jungs.
Ihr kommt auch noch dran.
Einer nach dem andern.


Aufgegebene Plätze. Verlorene Posten

14 Gedichte mit Graphiken von Johannes Nawrath Kunst & Poesie, Hrsg. Carl-Walter Kottnik Limitierte Auflage: 400 Exempl., 30 S., 8 €





















Die Dunkelheit knistert wie Kandis

Gedichte
Pendragon Verlag, Bielefeld, 2011
ISBN 978-3-86532-278-4
Festeinband, 144 Seiten, 14,95 €





















Die Sekunden vor Augenaufschlag

Gedichte
Pendragon Verlag, Bielefeld, 2006
ISBN 978-3-86532-051-3
Festeinband, 128 Seiten, 12,80 €





















Gebrauchte Gedichte

Gedichte
Pendragon Verlag, Bielefeld, 2003
ISBN 3-934872-49-2
Paperback, 128 Seiten, 12,80 €















Engel im Herbst mit Orangen

Gedichte
Pendragon Verlag, Bielefeld, 2006
2. erweiterte Auflage
ISBN 3-86532-047-3
Paperback, 96 Seiten, 9,90 €